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Erinnerungsgarten im Kinderhospiz Bärenherz mit der Bronzeplastik von Roland Lindner
Erinnerungsgarten im Kinderhospiz Bärenherz mit der Bronzeplastik von Roland Lindner

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Rituale des Gedenkens im Kinderhospiz Bärenherz - Rituale geben der Trauer Ausdruck

Ein Ritual ist eine besondere Handlung mit hohem Symbolgehalt, die nach vorgegebenen Regeln, in einer bestimmten Reihenfolge, immer wieder auf die gleiche Weise ausgeführt wird. Rituale werden bewusst gewählt und nicht spontan durchgeführt. Sie sollen die Bewältigung komplexer lebensweltlicher Situationen vereinfachen und eine symbolische Auseinandersetzung ermöglichen.
So wird auch der Tod eines Kindes im Kinderhospiz Bärenherz von Ritualen begleitet: Stirbt ein Kind, das vom Kinderhospiz betreut wurde, wird eine Laterne mit einer Kerze im großen Aufenthaltsraum des Hospizes aufgestellt und das Licht in der Holzplastik im Eingangsbereich gelöscht. Gemeinsam mit den Angehörigen und in Absprache mit der Familie versammeln sich alle Mitarbeiter zu einem Verabschiedungsritual im Zimmer des Kindes. Eine ausgebildete Trauerbegleiterin hält eine ganz auf das Kind bezogene Trauerrede, die immer auch Symbole (beispielsweise eine Krone, einen Stein, einen Schmetterling) mit einbezieht. Am Ende der Zeremonie können diese Symbole auch in die Hand genommen und mit Wünschen, Erinnerungen und Hoffnungen versehen dem Kind auf seinen letzten Weg mitgegeben werden. Trauer erhält so einen Ausdruck, wird greifbar. Im Ritual erfährt der Einzelne Gemeinschaft und fühlt sich zugehörig. Um auch den Abschied fassbar zu machen, gibt es im Bärenherz die Möglichkeit, den Sarg des Kindes gemeinsam mit allen Familienmitgliedern oder den Schwestern und Pflegern zu gestalten. In einem Gedenkbuch werden die Erinnerungen an das Kind für das gesamte Team festgehalten. Eltern können ein ganz individuell gestaltetes Bild ihres Kindes an einer dafür vorgesehenen Wand aufhängen. Diese Rituale wirken wortlos, fassen das Unsagbare und sprechen das Unbewusste an.
Einmal im Jahr lädt das Kinderhospiz Bärenherz Familien zum Erinnerungsnachmittag ein. Erneut begleitet ein ausgewähltes Symbol die Veranstaltung: Nach der Rose von Jerchiho und dem Feuer war es 2016 der Diamant. Tauerbegleiterinnen nahmen sich der Eltern und Großeltern an. In einem feierlich geschmückten Raum gedachten die Erwachsenen der verstorbenen Kinder, ihre Namen wurden laut ausgesprochen, für jedes Kind eine Kerze angezündet und persönliche Erinnerungsstücke in einem rituellen Kreis abgelegt. Die Geschwisterkinder verabschiedeten sich in einem eigenen Raum von ihrem Bruder oder ihrer Schwester. Auch sie nannten in einem Ritual deren Namen. Um die Kinder wieder ins Hier und Jetzt zu bringen, sangen abschließend alle gemeinsam ein aufmunterndes Lied. Danach gab es Kuchen und es konnte gebastelt und geforscht werden.
Jeden zweiten Sonntag im Dezember wird im Bärenherz ein Teamritual durchgeführt. Damit erhält auch jeder Mitarbeiter die Möglichkeit, sich bewusst zu verabschieden und einen Schlusspunkt zu setzen. Dies ist ein sehr wichtiges Ritual für die zukünftige Arbeit im Hospiz.

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Mona Meister

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